Montag, 28. März 2016
Aberlour 12 non chill-filtered
spirit-alex, 19:53h
Willkommen zurück, liebe Leser!
Nachdem, gemessen an den Erwartungen enttäuschenden Beginn, mit dem zuvor vorgestellten Chateau Lascombes, heute nun der erste Whisky, ein „Aberlour 12 non chill-filtered“.
Da ich im Gegensatz zum letzten Mal, nicht mehr mit den Nachwirkungen einer Erkältung kämpfe dachte ich, ich könnte mich dieses Mal uneingeschränkt mit dem Aroma des Getränks beschäftigen, jedoch kämpfe ich gegenwärtig noch mit einem intensiven Pfeffergeruch in der Nase den mein Sommelier-/Kellnermesser ausstrahlt. Jenes Utensil ist definitiv sinnvoll, da der Aberlour mit einer Kappe aus einer Art Siegellack nun eben versiegelt ist.
Ich öffne also zunächst die Siegellackkappe, packe danach das Messer weg und warte ein wenig bis der Pfeffergeruch verflogen ist. Mein Dank für diese „Werbeunterbrechung“ an Laguiole en Aubarc, die zwar exzellente Kellnermesser herstellen, aber diese wer weiß warum scheinbar mit Pfefferkörnern entgraten. Man sollte meinen einem Hersteller solcher Gegenstände sei bewusst, dass ein solcher Geruch das Aroma der geöffneten Getränke beeinflusst.
Ich nutze daher nun die Zeit ein paar Worte über das „non chill-filtert“ also zu Deutsch „nicht kühlfiltriert“ zu verlieren.
Kühlfiltrierung oder auch Kaltfiltrierung nennt man ein Verfahren zur Filterung von Whisky in kaltem Zustand. Wozu das Ganze, mag man sich nun Fragen. Die Erklärung erscheint ganz einfach: Eine scheinbar ausreichend große Anzahl der Whiskykonsumenten trinkt diesen gerne stark gekühlt oder auch auf Eis. Whisky tendiert dazu sich in kaltem Zustand einzutrüben und Flöckchen zu bilden, die dann vielleicht den Geschmack beeinflussen (was ich nicht weiß, denn ich trinke meinen Whisky für gewöhnlich nicht kalt), in jedem Fall aber wohl unschön aussehen. Dieser Kaltfiltrierung sagt man jedoch nach, dass mit der Herausfilterung dieser Flöckchen auch Geschmacks- und Aromastoffe mit herausgefiltert werden, eine Erklärung, die mir durchaus einleuchtet und mich dazu bringt, nicht kaltfiltrierten Whisky ebenfalls zu bevorzugen. Aus eigenen Erfahrungen kann ich in diesem Punkt jedoch nicht berichten, da ich dazu einmal einen gefilterten mit einem ungefilterten Whisky des selben Sorte einer direkten Vergleichsverkostung unterziehen müsste.
Mittlerweile kann ich keinen Pfeffergeruch mehr wahrnehmen, was sich auch nicht beim Verlassen des Raumes und anschließendem wieder Hereinkommen ändert, sodass ich annehmen kann, dass die Raumluft in der Tat Ihre Neutralität zurückgewonnen hat. Also, Korken aus der Flasche!
Der Whisky verströmt direkt beim öffnen keinen sonderlich starken Geruch, jedoch nehme ich ein leichtes Eichenholzaroma und ein zarte alkoholische Note wahr. Die Farbe ist angenehm goldgelb bis bernsteinfarben und wirkt nicht zu hell, was man bei der sehr dicken Flasche nicht zwingend hatte erwarten können. Es ist davon auszugehen, dass es sich zudem um die natürliche Farbgebung des Whiskys handelt, da ich weder auf der Flasche noch auf der Umverpackung eine Angabe zur Färbung finden kann. Ein klares Plus für den zwölfjährigen Aberlour!
Zeit für einen intensive Geruchsprobe:
Der zuvor festgestellte Geruch von Eiche ist zunächst weiterhin präsent, verflüchtigt sich jedoch recht schnell und macht einen fruchtigen Aroma platz, bei dem es mir jedoch nicht gelingt, diesen genauer zu definieren. Vielleicht ein leichter Anklang von Pflaume, aber es ist wohl eher eine Assoziation als eine wirkliche Geruchswahrnehmung.
Nachdem zunächst durchaus anhaltenden Geruch erkenne ich recht deutlich eine Haselnussnote, die hinter den undefinierbaren Früchten hervortritt, jedoch deutlich schneller verfliegt. Abschließend finde ich noch einen Hauch von Vanille, der jedoch wenig intensiv zu sein scheint und noch kürzer anhält als die zuvor entdeckten Haselnussaroma. Ungewöhnlich erscheint mir letzteres auf jeden Fall nicht, denn da Whisky in Eichenfässern reift und Eichenholz Vanillin enthält, sind Vanillearomen in vielen Whiskys zu finden, meist jedoch (wegen der längeren Reifungszeit) in älteren.
Ich denke an dieser Stelle ist es angebracht einen Blick auf die Geruchsbeschreinung auf der Verpackung zu werfen, etwas, was ich vorher bewusst vermieden habe, um mich davon nicht beeinflussen zu lassen und meinen Geist nicht auf Gerüche einzustimmen, die ich sonst vielleicht gar nicht finden würde.
Die Umverpackung sagt: „Rich fruity notes of sweet strawberry jam“, also „Reiche Fruchtnoten von süßer Erdbeermarmelade“.
Fruchtnoten waren wie erwähnt deutlich zu erkennen, Erdbeeren kann ich jedoch auch beim erneuten riechen nicht wirklich feststellen. Aber es wird Zeit zu probieren:
Verkostung:
Zunächst ein starker Antritt von Eiche, den man sich jedoch nicht mit der „schmirgelnden“ Tanninlastigkeit mancher Rotweine vergleichen kann (schwer zu beschreiben aber wer beide Arten Getränke kennt weiß wovon ich rede) und hier eher würzig wirkt. Sofort danach ein intensiver Geschmack nach Haselnüssen der allerdings keinesfalls unharmonisch wirkt und die Eiche in einem fließenden Übergang ablöst. Im Anschluss erneut eine Vanillenote die jedoch diesmal intensiver ausfällt als bei der Geruchsprobe, bevor der Whisky schließlich mit einem lang andauernden Abgang, der sich jedoch nicht bis tief in den Rachen erstreckt, ausklingt. Erwähnenswert ist noch, dass alle beschriebenen Phasen des Geschmacks von ein andauernden leichten Süße begleitet werden und der alkoholische Geschmack eher schwach ausfällt, was gerade bei eher starken 48 Volumenprozent erstaunt.
Werfen wir auch hier einen Blick auf die Geschmacksbeschreibung der Umverpackung: „Sherried character and deep fruity plum aromas balanced with a rich chocolate, toffee, cinnamon and raisins“, also „Sherry-Charakter und intensive Pflaumenaromen, ausbalanciert mit reicher Schokolade, Toffee, Zimt und Rosinen. Diese Geschmacksbeschreibung muss ich zugeben erstaunt mich jedoch schon ein wenig. Zwar habe ich im Geruch ein Pflaumenaroma zu erkennen geglaubt, diese im Geschmack jedoch genau so wenig wahrgenommen wie die übrigen hier genannten Geschmacksnoten. Besonders verwundert es mich keinen Sherry geschmeckt zu haben, da Sherry (wie auch Madeira und Port) zu meinen bevorzugten Weinarten gehört.
Der Abgang wird auf der Verpackung als lang, süß und leicht würzig beschrieben, was sich durchaus mit meinen Einschätzungen deckt, auch wenn ich meine die genannte Würzigkeit eher im Antritt erkannt zu haben.
Fazit:
Ein Whisky den es sich aus meiner Sicht durchaus lohnt einmal zu probieren und dessen sehr harmonisches Gesamtkonzept ihn geradezu süffig macht. Auch das exzellente Preisleistungsverhältnis (Flasche 0,7 Liter ab gegenwärtig 35 Euro) spricht für diesen Single Malt, jedoch sollte man sich meiner Ansicht nach nicht auf die Geschmacksbeschreibung des Whiskys durch die Brennerei verlassen. Fruchtigkeit und Würzigkeit lassen sich durchaus erkennen, aber nicht zwingend mit Sherry, Rosinen, Schokolade oder Zimt in Verbindung bringen.
In jedem Fall handelt es sich um einen Whisky, der gut geeignet ist, um dieses Getränk jemandem näherzubringen, der damit bisher keine Erfahrungen hatte, gerade weil dieser Whisky keinesfalls rauchig ist, was Neulinge oftmals eher abschreckt als anzieht.
Vielen Dank für Ihre und Eure Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal!
Ihr und Euer
Spirit-Alex
(verfasst am 27.03.16)
Nachdem, gemessen an den Erwartungen enttäuschenden Beginn, mit dem zuvor vorgestellten Chateau Lascombes, heute nun der erste Whisky, ein „Aberlour 12 non chill-filtered“.
Da ich im Gegensatz zum letzten Mal, nicht mehr mit den Nachwirkungen einer Erkältung kämpfe dachte ich, ich könnte mich dieses Mal uneingeschränkt mit dem Aroma des Getränks beschäftigen, jedoch kämpfe ich gegenwärtig noch mit einem intensiven Pfeffergeruch in der Nase den mein Sommelier-/Kellnermesser ausstrahlt. Jenes Utensil ist definitiv sinnvoll, da der Aberlour mit einer Kappe aus einer Art Siegellack nun eben versiegelt ist.
Ich öffne also zunächst die Siegellackkappe, packe danach das Messer weg und warte ein wenig bis der Pfeffergeruch verflogen ist. Mein Dank für diese „Werbeunterbrechung“ an Laguiole en Aubarc, die zwar exzellente Kellnermesser herstellen, aber diese wer weiß warum scheinbar mit Pfefferkörnern entgraten. Man sollte meinen einem Hersteller solcher Gegenstände sei bewusst, dass ein solcher Geruch das Aroma der geöffneten Getränke beeinflusst.
Ich nutze daher nun die Zeit ein paar Worte über das „non chill-filtert“ also zu Deutsch „nicht kühlfiltriert“ zu verlieren.
Kühlfiltrierung oder auch Kaltfiltrierung nennt man ein Verfahren zur Filterung von Whisky in kaltem Zustand. Wozu das Ganze, mag man sich nun Fragen. Die Erklärung erscheint ganz einfach: Eine scheinbar ausreichend große Anzahl der Whiskykonsumenten trinkt diesen gerne stark gekühlt oder auch auf Eis. Whisky tendiert dazu sich in kaltem Zustand einzutrüben und Flöckchen zu bilden, die dann vielleicht den Geschmack beeinflussen (was ich nicht weiß, denn ich trinke meinen Whisky für gewöhnlich nicht kalt), in jedem Fall aber wohl unschön aussehen. Dieser Kaltfiltrierung sagt man jedoch nach, dass mit der Herausfilterung dieser Flöckchen auch Geschmacks- und Aromastoffe mit herausgefiltert werden, eine Erklärung, die mir durchaus einleuchtet und mich dazu bringt, nicht kaltfiltrierten Whisky ebenfalls zu bevorzugen. Aus eigenen Erfahrungen kann ich in diesem Punkt jedoch nicht berichten, da ich dazu einmal einen gefilterten mit einem ungefilterten Whisky des selben Sorte einer direkten Vergleichsverkostung unterziehen müsste.
Mittlerweile kann ich keinen Pfeffergeruch mehr wahrnehmen, was sich auch nicht beim Verlassen des Raumes und anschließendem wieder Hereinkommen ändert, sodass ich annehmen kann, dass die Raumluft in der Tat Ihre Neutralität zurückgewonnen hat. Also, Korken aus der Flasche!
Der Whisky verströmt direkt beim öffnen keinen sonderlich starken Geruch, jedoch nehme ich ein leichtes Eichenholzaroma und ein zarte alkoholische Note wahr. Die Farbe ist angenehm goldgelb bis bernsteinfarben und wirkt nicht zu hell, was man bei der sehr dicken Flasche nicht zwingend hatte erwarten können. Es ist davon auszugehen, dass es sich zudem um die natürliche Farbgebung des Whiskys handelt, da ich weder auf der Flasche noch auf der Umverpackung eine Angabe zur Färbung finden kann. Ein klares Plus für den zwölfjährigen Aberlour!
Zeit für einen intensive Geruchsprobe:
Der zuvor festgestellte Geruch von Eiche ist zunächst weiterhin präsent, verflüchtigt sich jedoch recht schnell und macht einen fruchtigen Aroma platz, bei dem es mir jedoch nicht gelingt, diesen genauer zu definieren. Vielleicht ein leichter Anklang von Pflaume, aber es ist wohl eher eine Assoziation als eine wirkliche Geruchswahrnehmung.
Nachdem zunächst durchaus anhaltenden Geruch erkenne ich recht deutlich eine Haselnussnote, die hinter den undefinierbaren Früchten hervortritt, jedoch deutlich schneller verfliegt. Abschließend finde ich noch einen Hauch von Vanille, der jedoch wenig intensiv zu sein scheint und noch kürzer anhält als die zuvor entdeckten Haselnussaroma. Ungewöhnlich erscheint mir letzteres auf jeden Fall nicht, denn da Whisky in Eichenfässern reift und Eichenholz Vanillin enthält, sind Vanillearomen in vielen Whiskys zu finden, meist jedoch (wegen der längeren Reifungszeit) in älteren.
Ich denke an dieser Stelle ist es angebracht einen Blick auf die Geruchsbeschreinung auf der Verpackung zu werfen, etwas, was ich vorher bewusst vermieden habe, um mich davon nicht beeinflussen zu lassen und meinen Geist nicht auf Gerüche einzustimmen, die ich sonst vielleicht gar nicht finden würde.
Die Umverpackung sagt: „Rich fruity notes of sweet strawberry jam“, also „Reiche Fruchtnoten von süßer Erdbeermarmelade“.
Fruchtnoten waren wie erwähnt deutlich zu erkennen, Erdbeeren kann ich jedoch auch beim erneuten riechen nicht wirklich feststellen. Aber es wird Zeit zu probieren:
Verkostung:
Zunächst ein starker Antritt von Eiche, den man sich jedoch nicht mit der „schmirgelnden“ Tanninlastigkeit mancher Rotweine vergleichen kann (schwer zu beschreiben aber wer beide Arten Getränke kennt weiß wovon ich rede) und hier eher würzig wirkt. Sofort danach ein intensiver Geschmack nach Haselnüssen der allerdings keinesfalls unharmonisch wirkt und die Eiche in einem fließenden Übergang ablöst. Im Anschluss erneut eine Vanillenote die jedoch diesmal intensiver ausfällt als bei der Geruchsprobe, bevor der Whisky schließlich mit einem lang andauernden Abgang, der sich jedoch nicht bis tief in den Rachen erstreckt, ausklingt. Erwähnenswert ist noch, dass alle beschriebenen Phasen des Geschmacks von ein andauernden leichten Süße begleitet werden und der alkoholische Geschmack eher schwach ausfällt, was gerade bei eher starken 48 Volumenprozent erstaunt.
Werfen wir auch hier einen Blick auf die Geschmacksbeschreibung der Umverpackung: „Sherried character and deep fruity plum aromas balanced with a rich chocolate, toffee, cinnamon and raisins“, also „Sherry-Charakter und intensive Pflaumenaromen, ausbalanciert mit reicher Schokolade, Toffee, Zimt und Rosinen. Diese Geschmacksbeschreibung muss ich zugeben erstaunt mich jedoch schon ein wenig. Zwar habe ich im Geruch ein Pflaumenaroma zu erkennen geglaubt, diese im Geschmack jedoch genau so wenig wahrgenommen wie die übrigen hier genannten Geschmacksnoten. Besonders verwundert es mich keinen Sherry geschmeckt zu haben, da Sherry (wie auch Madeira und Port) zu meinen bevorzugten Weinarten gehört.
Der Abgang wird auf der Verpackung als lang, süß und leicht würzig beschrieben, was sich durchaus mit meinen Einschätzungen deckt, auch wenn ich meine die genannte Würzigkeit eher im Antritt erkannt zu haben.
Fazit:
Ein Whisky den es sich aus meiner Sicht durchaus lohnt einmal zu probieren und dessen sehr harmonisches Gesamtkonzept ihn geradezu süffig macht. Auch das exzellente Preisleistungsverhältnis (Flasche 0,7 Liter ab gegenwärtig 35 Euro) spricht für diesen Single Malt, jedoch sollte man sich meiner Ansicht nach nicht auf die Geschmacksbeschreibung des Whiskys durch die Brennerei verlassen. Fruchtigkeit und Würzigkeit lassen sich durchaus erkennen, aber nicht zwingend mit Sherry, Rosinen, Schokolade oder Zimt in Verbindung bringen.
In jedem Fall handelt es sich um einen Whisky, der gut geeignet ist, um dieses Getränk jemandem näherzubringen, der damit bisher keine Erfahrungen hatte, gerade weil dieser Whisky keinesfalls rauchig ist, was Neulinge oftmals eher abschreckt als anzieht.
Vielen Dank für Ihre und Eure Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal!
Ihr und Euer
Spirit-Alex
(verfasst am 27.03.16)
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Freitag, 18. März 2016
Chateau Lascombes 1999
spirit-alex, 14:48h
So,endlich ist es soweit, die erste Verkostung steht an. Aufgrund einer Erkältung später als ursprünglich geplant und ich gestehe das der Infekt auch immer och nicht ganz ausgestanden ist, habe jedoch den Eindruck, dass der Geschmack schon wieder weitgehend der Alte ist.
Bei aller in meiner Vorstellung gelobten Bescheidenheit mit Blick auf die Dinge oder vielmehr Getränke und Genüsse die da hoffentlich kommen mögen, habe ich mir doch vorgenommen für den Einstand mit etwas besonderem zu beginnen, weshalb ich mir eine Flasche Chateau Lascombes von 1999 für die erste Verkostung ausgesucht habe. Etwas besonderes deshalb, weil der genannte Wein, nachdem was man so hört und nach seiner Klassifizierung als Deuxièmes Cru (zweithöchste Qualitätsklasse der Bordeauxweine) zu den besten Weinen Frankreichs gehören sollte. Dies weckt natürlich auch bei mir Erwartungen, die allerdings ein wenig von dem Umstand gedämpft werden, dass das Chateau Lascombes wohl seit einiger Zeit (ob schon 1999 weis ich nicht) von Michel Rolland beraten wird einem Mann, der meiner persönlichen Meinung nach wohl Frankreichs größter Panscher sein dürfte (worauf ich sicher in einem späteren Beitrag noch näher eingehen werde).
Gut, genug der langen Vorrrede, kommen wir zur genannten Flasche:
Rein äußerlich macht das gute Stück einen edlen Eindruck. Das Etikett hat einen leichten Prägeaufdruckt, die Flaschen hat eine Seriennummer (hier: 49873) und das Glas trägt ein Relief mit der Aufschrift "Lascombes", was alles in allem schon den Anschein erweckt, dass hier keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Klar sollte man sich von dererlei Dingen nicht beeinflussen lassen, vermeiden lässt sich dies jedoch nicht.
Verschlossen ist die Flasche mit einem für "gehobene" Bordeaux-Weine wohl üblichen recht langen Naturkorken, der sich problemlos aus der Flasche ziehen. Feststellen lässt sich bereits jetzt, dass der Wein ein sehr intensives Aroma zu haben scheint, da wohlriechende Gerüche bereits direkt nach dem Entkorken schnell die Raumluft füllen, was sich beim Eingießen ins Glas noch erheblich verstärkt.
Farblich betrachtet hat der Wein ein tiefes, kräftiges Rot, dass aber nicht ins Violette übergeht. Schwenkt man den Wein im Glas so bilden sich recht große Kirchenfenster (siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenfenster_%28Wein%29) und der Wein rinnt nur langsam an der Glaswand nach unten.
Konzentriert man sich nun auf den Geruch, so glaube ich hier leichte florale (blumig riechende) Noten zu erkennen die jedoch recht schnell durch den Geruch von dunklen Früchten ergänzt werden. Einzelne weitere Geruchsassoziationen kann ich jedoch nicht herausriechen, was vielleicht an meiner verglichen mit Whisky mangelnden Erfahrung mit Wein liegen mag, möglichweise aber auch an meiner noch leicht verschnupften Nase.
Kommen wir zur Verkostung:
Der Wein hat einen einen sehr starken Antritt und einen sehr intensiven konzentrierten Geschmack, er wirkt auf mich überaus käftig, was mich vermuten lässt das bestimmt die Hälfte des verschnittenen Sorten der Rebsote Cabernet Sauvignon angehören dürften. Eine leichter Hauch von Fruchtigkeit verfliegt bereits nach wenigen Augenblicken und wird schier von Säure und Tannin (Gerbstoffe oftmals durch Eichenfasslagerung in den Wein gelangt). erdrückt. Das Zusammenspiel von Säure und Tannin wirken auf mich zwar stimmig allerdings viel zu intensiv, sodass andere Geschmacksnoten in diesem Wein leider nicht zu erkennen sind. Der Abgang ist sehr lang und leicht wärmend, lange bleibet jedoch vor allen Dingen der intensive Tanningeschmack der ein leicht ziehendes Gefühl auf Höhe der oberen Eckzähne zurücklässt, das noch Minuten (mehr als zehn!) nachdem der letzte Schluck den Mund bereits verlassen hat anhält.
Fazit: Geruch top, Geschmack flop!
Wer auf sehr trockenen, sehr tanninreichen Wein mit intensivem Säureanteil steht, und Wert auf ein tolles Aroma legt, der dürfte hier durchaus eine geeignete Falsche gefunden haben. Allen anderen kann ich nur abraten, da mir auch gerade der Preis von 50-60 Euro pro Flasche für die gebotene Qualität ausgesprochen hoch erscheint. Ich weis der nun folgende Vergleich hinkt etwas, aber ich hatte kürzlich die Gelegenheit einen excellenten Vintage Port (Sandemann Vau Vintage 2002) für den halben Flaschenpreis des Chateau Lascombes zu probieren, gegen dessen enorme Komplexität und Fruchtigkeit der wahrgenommenen Geschmacksnoten der eben verkostete Weines gerade zu eindimensional und langweilig wirkte. Vielleicht mag mich der ein oder andere nun einen Banausen der Weinkultur nennen, vielleicht sollte sich manch einer aber auch fragen ob er oder sie hier nicht einfach nur viel Geld für einen großen Namen bezahlt! Ich jedenfalls werde gewiss noch einige Jahre ins Land gehen lassen, bis ich dem Chateau Lascombes eine zweite Chance gebe.
(Verfasst am 4.03.16)
Nachtrag:
Habe am folgenden Tag ein Glas zu Schweinegeschnetzeltem mit Spätzle und Pfifferlingen probiert. Der Wein ergänzte das essen durchaus gut und der starke Tanningeschmack ging hier glücklicherweise unter, dennoch ist der Preis keinesfall gerechtfertigt. Ähnlich gut passende Flaschen sollten sich auch schon ab zehn Euro oder weniger finden lassen.
(Verfasst am 5.03.16)
Bei aller in meiner Vorstellung gelobten Bescheidenheit mit Blick auf die Dinge oder vielmehr Getränke und Genüsse die da hoffentlich kommen mögen, habe ich mir doch vorgenommen für den Einstand mit etwas besonderem zu beginnen, weshalb ich mir eine Flasche Chateau Lascombes von 1999 für die erste Verkostung ausgesucht habe. Etwas besonderes deshalb, weil der genannte Wein, nachdem was man so hört und nach seiner Klassifizierung als Deuxièmes Cru (zweithöchste Qualitätsklasse der Bordeauxweine) zu den besten Weinen Frankreichs gehören sollte. Dies weckt natürlich auch bei mir Erwartungen, die allerdings ein wenig von dem Umstand gedämpft werden, dass das Chateau Lascombes wohl seit einiger Zeit (ob schon 1999 weis ich nicht) von Michel Rolland beraten wird einem Mann, der meiner persönlichen Meinung nach wohl Frankreichs größter Panscher sein dürfte (worauf ich sicher in einem späteren Beitrag noch näher eingehen werde).
Gut, genug der langen Vorrrede, kommen wir zur genannten Flasche:
Rein äußerlich macht das gute Stück einen edlen Eindruck. Das Etikett hat einen leichten Prägeaufdruckt, die Flaschen hat eine Seriennummer (hier: 49873) und das Glas trägt ein Relief mit der Aufschrift "Lascombes", was alles in allem schon den Anschein erweckt, dass hier keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Klar sollte man sich von dererlei Dingen nicht beeinflussen lassen, vermeiden lässt sich dies jedoch nicht.
Verschlossen ist die Flasche mit einem für "gehobene" Bordeaux-Weine wohl üblichen recht langen Naturkorken, der sich problemlos aus der Flasche ziehen. Feststellen lässt sich bereits jetzt, dass der Wein ein sehr intensives Aroma zu haben scheint, da wohlriechende Gerüche bereits direkt nach dem Entkorken schnell die Raumluft füllen, was sich beim Eingießen ins Glas noch erheblich verstärkt.
Farblich betrachtet hat der Wein ein tiefes, kräftiges Rot, dass aber nicht ins Violette übergeht. Schwenkt man den Wein im Glas so bilden sich recht große Kirchenfenster (siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenfenster_%28Wein%29) und der Wein rinnt nur langsam an der Glaswand nach unten.
Konzentriert man sich nun auf den Geruch, so glaube ich hier leichte florale (blumig riechende) Noten zu erkennen die jedoch recht schnell durch den Geruch von dunklen Früchten ergänzt werden. Einzelne weitere Geruchsassoziationen kann ich jedoch nicht herausriechen, was vielleicht an meiner verglichen mit Whisky mangelnden Erfahrung mit Wein liegen mag, möglichweise aber auch an meiner noch leicht verschnupften Nase.
Kommen wir zur Verkostung:
Der Wein hat einen einen sehr starken Antritt und einen sehr intensiven konzentrierten Geschmack, er wirkt auf mich überaus käftig, was mich vermuten lässt das bestimmt die Hälfte des verschnittenen Sorten der Rebsote Cabernet Sauvignon angehören dürften. Eine leichter Hauch von Fruchtigkeit verfliegt bereits nach wenigen Augenblicken und wird schier von Säure und Tannin (Gerbstoffe oftmals durch Eichenfasslagerung in den Wein gelangt). erdrückt. Das Zusammenspiel von Säure und Tannin wirken auf mich zwar stimmig allerdings viel zu intensiv, sodass andere Geschmacksnoten in diesem Wein leider nicht zu erkennen sind. Der Abgang ist sehr lang und leicht wärmend, lange bleibet jedoch vor allen Dingen der intensive Tanningeschmack der ein leicht ziehendes Gefühl auf Höhe der oberen Eckzähne zurücklässt, das noch Minuten (mehr als zehn!) nachdem der letzte Schluck den Mund bereits verlassen hat anhält.
Fazit: Geruch top, Geschmack flop!
Wer auf sehr trockenen, sehr tanninreichen Wein mit intensivem Säureanteil steht, und Wert auf ein tolles Aroma legt, der dürfte hier durchaus eine geeignete Falsche gefunden haben. Allen anderen kann ich nur abraten, da mir auch gerade der Preis von 50-60 Euro pro Flasche für die gebotene Qualität ausgesprochen hoch erscheint. Ich weis der nun folgende Vergleich hinkt etwas, aber ich hatte kürzlich die Gelegenheit einen excellenten Vintage Port (Sandemann Vau Vintage 2002) für den halben Flaschenpreis des Chateau Lascombes zu probieren, gegen dessen enorme Komplexität und Fruchtigkeit der wahrgenommenen Geschmacksnoten der eben verkostete Weines gerade zu eindimensional und langweilig wirkte. Vielleicht mag mich der ein oder andere nun einen Banausen der Weinkultur nennen, vielleicht sollte sich manch einer aber auch fragen ob er oder sie hier nicht einfach nur viel Geld für einen großen Namen bezahlt! Ich jedenfalls werde gewiss noch einige Jahre ins Land gehen lassen, bis ich dem Chateau Lascombes eine zweite Chance gebe.
(Verfasst am 4.03.16)
Nachtrag:
Habe am folgenden Tag ein Glas zu Schweinegeschnetzeltem mit Spätzle und Pfifferlingen probiert. Der Wein ergänzte das essen durchaus gut und der starke Tanningeschmack ging hier glücklicherweise unter, dennoch ist der Preis keinesfall gerechtfertigt. Ähnlich gut passende Flaschen sollten sich auch schon ab zehn Euro oder weniger finden lassen.
(Verfasst am 5.03.16)
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