Freitag, 18. März 2016
Chateau Lascombes 1999
So,endlich ist es soweit, die erste Verkostung steht an. Aufgrund einer Erkältung später als ursprünglich geplant und ich gestehe das der Infekt auch immer och nicht ganz ausgestanden ist, habe jedoch den Eindruck, dass der Geschmack schon wieder weitgehend der Alte ist.

Bei aller in meiner Vorstellung gelobten Bescheidenheit mit Blick auf die Dinge oder vielmehr Getränke und Genüsse die da hoffentlich kommen mögen, habe ich mir doch vorgenommen für den Einstand mit etwas besonderem zu beginnen, weshalb ich mir eine Flasche Chateau Lascombes von 1999 für die erste Verkostung ausgesucht habe. Etwas besonderes deshalb, weil der genannte Wein, nachdem was man so hört und nach seiner Klassifizierung als Deuxièmes Cru (zweithöchste Qualitätsklasse der Bordeauxweine) zu den besten Weinen Frankreichs gehören sollte. Dies weckt natürlich auch bei mir Erwartungen, die allerdings ein wenig von dem Umstand gedämpft werden, dass das Chateau Lascombes wohl seit einiger Zeit (ob schon 1999 weis ich nicht) von Michel Rolland beraten wird einem Mann, der meiner persönlichen Meinung nach wohl Frankreichs größter Panscher sein dürfte (worauf ich sicher in einem späteren Beitrag noch näher eingehen werde).

Gut, genug der langen Vorrrede, kommen wir zur genannten Flasche:

Rein äußerlich macht das gute Stück einen edlen Eindruck. Das Etikett hat einen leichten Prägeaufdruckt, die Flaschen hat eine Seriennummer (hier: 49873) und das Glas trägt ein Relief mit der Aufschrift "Lascombes", was alles in allem schon den Anschein erweckt, dass hier keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Klar sollte man sich von dererlei Dingen nicht beeinflussen lassen, vermeiden lässt sich dies jedoch nicht.
Verschlossen ist die Flasche mit einem für "gehobene" Bordeaux-Weine wohl üblichen recht langen Naturkorken, der sich problemlos aus der Flasche ziehen. Feststellen lässt sich bereits jetzt, dass der Wein ein sehr intensives Aroma zu haben scheint, da wohlriechende Gerüche bereits direkt nach dem Entkorken schnell die Raumluft füllen, was sich beim Eingießen ins Glas noch erheblich verstärkt.
Farblich betrachtet hat der Wein ein tiefes, kräftiges Rot, dass aber nicht ins Violette übergeht. Schwenkt man den Wein im Glas so bilden sich recht große Kirchenfenster (siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenfenster_%28Wein%29) und der Wein rinnt nur langsam an der Glaswand nach unten.

Konzentriert man sich nun auf den Geruch, so glaube ich hier leichte florale (blumig riechende) Noten zu erkennen die jedoch recht schnell durch den Geruch von dunklen Früchten ergänzt werden. Einzelne weitere Geruchsassoziationen kann ich jedoch nicht herausriechen, was vielleicht an meiner verglichen mit Whisky mangelnden Erfahrung mit Wein liegen mag, möglichweise aber auch an meiner noch leicht verschnupften Nase.

Kommen wir zur Verkostung:

Der Wein hat einen einen sehr starken Antritt und einen sehr intensiven konzentrierten Geschmack, er wirkt auf mich überaus käftig, was mich vermuten lässt das bestimmt die Hälfte des verschnittenen Sorten der Rebsote Cabernet Sauvignon angehören dürften. Eine leichter Hauch von Fruchtigkeit verfliegt bereits nach wenigen Augenblicken und wird schier von Säure und Tannin (Gerbstoffe oftmals durch Eichenfasslagerung in den Wein gelangt). erdrückt. Das Zusammenspiel von Säure und Tannin wirken auf mich zwar stimmig allerdings viel zu intensiv, sodass andere Geschmacksnoten in diesem Wein leider nicht zu erkennen sind. Der Abgang ist sehr lang und leicht wärmend, lange bleibet jedoch vor allen Dingen der intensive Tanningeschmack der ein leicht ziehendes Gefühl auf Höhe der oberen Eckzähne zurücklässt, das noch Minuten (mehr als zehn!) nachdem der letzte Schluck den Mund bereits verlassen hat anhält.

Fazit: Geruch top, Geschmack flop!

Wer auf sehr trockenen, sehr tanninreichen Wein mit intensivem Säureanteil steht, und Wert auf ein tolles Aroma legt, der dürfte hier durchaus eine geeignete Falsche gefunden haben. Allen anderen kann ich nur abraten, da mir auch gerade der Preis von 50-60 Euro pro Flasche für die gebotene Qualität ausgesprochen hoch erscheint. Ich weis der nun folgende Vergleich hinkt etwas, aber ich hatte kürzlich die Gelegenheit einen excellenten Vintage Port (Sandemann Vau Vintage 2002) für den halben Flaschenpreis des Chateau Lascombes zu probieren, gegen dessen enorme Komplexität und Fruchtigkeit der wahrgenommenen Geschmacksnoten der eben verkostete Weines gerade zu eindimensional und langweilig wirkte. Vielleicht mag mich der ein oder andere nun einen Banausen der Weinkultur nennen, vielleicht sollte sich manch einer aber auch fragen ob er oder sie hier nicht einfach nur viel Geld für einen großen Namen bezahlt! Ich jedenfalls werde gewiss noch einige Jahre ins Land gehen lassen, bis ich dem Chateau Lascombes eine zweite Chance gebe.

(Verfasst am 4.03.16)

Nachtrag:

Habe am folgenden Tag ein Glas zu Schweinegeschnetzeltem mit Spätzle und Pfifferlingen probiert. Der Wein ergänzte das essen durchaus gut und der starke Tanningeschmack ging hier glücklicherweise unter, dennoch ist der Preis keinesfall gerechtfertigt. Ähnlich gut passende Flaschen sollten sich auch schon ab zehn Euro oder weniger finden lassen.

(Verfasst am 5.03.16)

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